WhatsApp Image 2020-03-23 at 21.47.18

Gestrandet in Argentinien

Dieter Kreutzkamp Uncategorized 2 Comments

Teile diesen Beitrag

Der Tag, an dem unser Lkw auf der engen Küstenstraße in Chile fast umgekippt wäre (s. letzter Blog-Beitrag), liegt nicht nur mehr als einen Monat zurück, sondern scheint angesichts der rasanten Abfolge der Ereignisse (… Corona Virus) Lichtjahre entfernt.
Doch der Reihe nach…
Das anhaltend regnerische Wetter an der chilenischen Küste trieb uns über die Anden zurück nach Argentinien.
In einem sehr einsamen Gebiet beschloss unsere Lichtmaschine, ihren Geist aufzugeben. Als Dieselfahrer weiß man, dass ein Dieselmotor auch ohne Lichtmaschine läuft – vorausgesetzt, die übrigen Stromverbraucher (z. B. kein Fahrlicht!) werden maximal reduziert.
WhatsApp Image 2020-03-23 at 21.47.14
Pablo, in der argentinischen Stadt Trevelin, baute die Lichtmaschine aus, prüfte alles. Den tatsächlich defekten Regler hatten wir in unserem Reserveteilfundus… Nach zwei Tagen konnte die Reise auf der argentinischen Ruta 40 nordwärts weitergehen.
Es gibt Plätze auf der Welt, zu denen wir gern ein zweites, drittes oder auch viertes Mal zurückkehren. Piedra Parada, dieser Magmakern eines vor abertausend Jahren erodierten Vulkans, gehört dazu. Mehrere Tage ließen wir hier die Seele baumeln.
WhatsApp Image 2020-03-23 at 21.47.16
Weiterfahrt gen Norden: Einen netten Abend mit weltumspannenden Gesprächen verbrachten wir bei Klaus Schubert und Claudia Metz, die sich nach einer mehr als zehnjährigen Weltumrundung per Motorrad bei El Bolson in wunderschöner Bergkulisse ein großes Stück Land gekauft haben.
Wir standen jetzt vor der Entscheidung, weiter nordwärts Richtung Atacama / Puna de Atacama zu fahren (wilde Hochgebirgslandschaften mit schneebedeckten Vulkanen, die wir vorher schon bereist hatten) oder gen Osten…
Knapp 2 1/2 Jahre ist es nun her, dass wir unseren Lkw nach Südamerika verschifft hatten. Langsam kristallisierte sich in unseren Köpfen die Entscheidung heraus, unser Auto in diesem April 2020 zurück nach Deutschland zu verschiffen.
WhatsApp Image 2020-03-23 at 21.47.18(1)
Auf dem Weg zum Verschiffungshafen Montevideo würden wir bei Eduardo in La Plata stoppen. Er hatte uns vor Monaten einen neuen Kühler eingebaut, der unserem – nach der Afrikareise neu eingebauten – stärkeren Turbomotor gerecht würde, d. h. optimal kühlen würde.
Eduardo hatte mir den Floh ins Ohr gesetzt, bei unserem Truck eine hydraulisch-pneumatische Kupplungsunterstützung einzubauen. Das klang nach einem spannenden Projekt… Wir wollten es angehen.
Kurzum… Nördlich der Stadt Bariloche durchquerten wir Argentinien erneut… Pampa soweit das Auge reicht. Endloses weites Land. Und man erfährt(!) erneut, dass Argentinien achtmal so groß wie Deutschland ist. In dem Pampadorf Comallo durften wir erst übernachten, nachdem uns die Dorfpolizei gecheckt und für Okay befunden hatte…
WhatsApp Image 2020-03-23 at 21.47.19
Aber wir kamen gut durch! An den einsamen und oft sehr stürmischen Stränden der Ostküste verbrachten wir ein paar Tage, um bald darauf endgültig von Argentinien Abschied zu nehmen…
Dachten wir…!
Bei Eduardo und Sandra und in ihrer Werkstatt La Mercedes (in La Plata) wurde tatsächlich das kleine technische Wunder vollbracht; nämlich die Kupplung unseres Oldies Thunder mit Hydraulik und Pneumatik zu unterstützen. Und wir improvisierten wieder mal, denn wir lebten anderthalb Wochen in der Werkstatt…
WhatsApp Image 2020-03-23 at 21.47.17
Doch die Umbauarbeiten dauerten länger als geplant…
WhatsApp Image 2020-03-23 at 21.47.13
Diese drei Tage, um die sich der Umbau verzögerte, führten dazu, dass die Corona Pandemie auch Südamerika in den Würgegriff bekam. Konsequent wurde hier reagiert: Grenzen dicht! Flughäfen stillgelegt! Seit Tagen hat Argentinien Ausgangssperre…
Wir sind in Argentinien gestrandet…!
WhatsApp Image 2020-03-23 at 21.47.16(1)
Es müssten Wunder geschehen, wenn wir unseren Thunder am 3.4.2020 wie geplant in Montevideo aufs Schiff bekämen.
Alles ist dicht – ähnlich wie in Europa ist das öffentliche Leben hier zum Erliegen gekommen.
Wir haben uns bei dem Rückholprogramm des deutschen Auswärtigen Amtes registriert.
Mal sehen, was passiert…
Dennoch; wären wir jetzt draußen in der Pampa ohne Lebensmittelversorgung, möglicherweise ohne Internet und einen rettenden Flughafen halbwegs in der Nähe, wären wir weitaus schlechter dran als hier, auf dem hinteren Teil des Werkstatthofs von Sandra und Eduardo zwischen alten, abgestellten Pkw und Lkw… Das ist der Sachstand zur Sekunde…
WhatsApp Image 2020-03-23 at 21.47.19(2)
Allen, die diesen Blog-Beitrag lesen, gilt unser Wunsch:
Bleibt gesund!
WhatsApp Image 2020-03-23 at 21.47.19(1)

Alle Fotos: Foto und Copyright Dieter Kreutzkamp

Comments 2

  1. Edelgard Brauner

    Liebe Juliana, lieber Dieter,
    euer letzter Blog hört sich leider nicht mehr so schön und spannend an wie die vorhergehenden. Dumm gelaufen! Schade, dass ihr es nicht mehr bis Uruguay geschafft habt.
    Ich wünsche euch alles Gute und dass ihr es doch noch bald nach Deutschland schafft! Obwohl – hier ist die Situation auch nicht schön! Aber das wisst ihr ja sicherlich. Stellt sich nun die Frage, wo sich die Wartezeit besser aushalten lässt?
    Bleibt gesund und kommt gut nach Hause!
    Liebe Grüße Edelgard

  2. Dietmar Sommerfeld

    Liebe Juliana, lieber Dieter!
    Dass Ihr nun dieses Pech habt, lässt sich nicht vermeiden. Vielleicht solltet Ihr Euch bevorraten und doch in die Pampa gehen? So wenig Kontakt mit Menschen wie möglich.Wenn Ihr Hilfe braucht, lasst es uns wissen.
    Meldet Euch auch mal kurz zwischendurch und bleibt gesund!
    Viele Grüße Marianne & Dietmar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *